DFG Schwerpunktprogramm 1292 "Survey Methodology"

Am 01. Januar 2008 haben die Projekte des Schwerpunktprogramms 1292 "Survey Methodology" der Deutschen Forschungsgemeinschaft ihre Arbeit aufgenommen. Kurz zuvor hatte der Hauptausschuss der DFG auf seiner Sitzung am 06. Dezember 2007 grünes Licht für den Start des Vorhabens mit insgesamt zehn Projekten für die erste zweijährige Förderphase gegeben. Vorausgegangen war die Einrichtung des Programms durch den Senat der DFG am 06. April 2006, eine öffentliche Ausschreibung sowie die Begutachtung der vorgeschlagenen Projekte durch eine international zusammengesetzte Gutachtergruppe. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft stellt für die Laufzeit des Programms von sechs Jahren einen Finanzrahmen von 6,72 Mio. Euro zur Verfügung.

Wissenschaftliche Ziele

Wissenschaftliche Umfragen stellen ein unverzichtbares Instrument der empirischen Sozialforschung dar. Zugleich sind sie ein bedeutsamer gesellschaftlicher Einflussfaktor, wenn sie über ihre Ergebnisse zur Bildung der öffentlichen Meinung, zur Entscheidungsfindung in Politik und Rechtssprechung sowie zu Verwaltungshandeln beitragen, wenn sie in wissenschaftliche Diagnosen, Kausalanalysen und Prognosen einmünden oder wenn sie in der Wirtschaft unternehmerische Entscheidungen beeinflussen. Als von essentieller Bedeutung ist daher anzusehen, dass aus den Ergebnissen wissenschaftlicher Surveys keine falschen, verfälschten, ungenauen oder irreführenden Konklusionen gezogen werden.

Die dafür erforderliche Survey Qualität ist der Praxis allerdings nicht fraglos zu attestieren, sei es, weil die Qualität nicht immer erreicht wird, oder sei es, weil gar nicht erst versucht wird, sie zu beurteilen. Angesichts der bei Umfragen möglichen Fehler ist dies eine bemerkenswerte Situation. Die Liste potentieller Fehlerquellen ist durchaus lang; um nur einige Beispiele zu nennen: Antworten, die durch den Befragungsmodus, durch Frageformulierungen, Skalenformate, geforderte Erinnerungsleistungen oder auch nur durch das Motiv beeinflusst werden, sozial unerwünschte Antworten zu vermeiden. Durch Selbstselektionsprozesse verzerrte Stichproben und daraus resultierende Schätzungen, die ihr Ziel nur verfehlen können, stellen ein weiteres Beispiel dafür dar, dass Umfrageergebnisse auch falsche Bilder der Realität zeichnen können.

Diese Situation wird noch prekärer, je stärker sozialer Wandel und technischer Fortschritt die bisherige Art und Weise, wissenschaftliche Umfragen durchzuführen, in Frage stellt: Erstens verändern sich unter dem Einfluss sozialen Wandels die Grundlagen der Befragungsbereitschaft in der Gesellschaft. Zweitens schafft der technische Fortschritt Optionen, die zunehmend auch in der Praxis der Sozialforschung genutzt werden, ohne dass dafür schon die erforderliche Grundlagenforschung geleistet worden wäre. Ein Paradebeispiel ist hier die verbreitete Einrichtung von "Online Access Panels" durch Markt- und Sozialforschungsinstitute, die damit auf die technischen Möglichkeiten des Internets reagieren. Andere Herausforderungen kommen hinzu, beispielsweise durch den Trend, nur noch über Mobilfunk erreichbar zu sein, also völlig auf einen Festnetzanschluss und damit auf den bisherigen Standardzugang für telefonische Befragungen zu verzichten.

Mit dem Schwerpunktprogramm verbindet sich entsprechend das Ziel, das Survey Design so weiterzuentwickeln, dass es adäquater als bisher einschlägige Fehlerquellen ausschalten oder kontrollieren und sich den durch Wandel und Fortschritt veränderten Anforderungen stellen kann. Auf der Agenda stehen entsprechend alle großen Bereiche der Survey Methodologie, sei es Survey Nonresponse, Survey Messung, Survey Modus oder Survey Sampling, und die darin bzw. in deren Schnittfeldern angesiedelten Forschungsfragen.

Koordination

Das Schwerpunktprogramm wird von der Universität Bremen aus koordiniert.

+Schwerpunkt

Universität Darmstadt - Institut für Soziologie, Projekt; Experimental Mobile Phone Panel

Universität Mannheim - MEA, Projekt: Respondent Incentives, Interviewer Training, and Survey Participation

ETH Zürich – Professur für Soziologie, Projekt: Asking Sensitive Questions

Universität Trier – Fachbereich VWL, Projekt: Response Propensities in Access Panel Based Surveys

Uni Duisburg-Essen - IfS, Projekt: Use of Population Data Bases with Double Sampling for Choice-Based Sample Surveys and Time-to-Event Analysis

University of Utrecht - Department of Methodology and Statistics, Projekt: Access Panel and Internet Survey

Universität Hamburg - Fachbereich Psychologie, Projekt: Multiple Imputation of Complex Data Sets

Universität Bremen - EMPAS, Projekte: Access Panel and Internet Survey, Coordination

Universität Konstanz - Fachbereich Geschichte und Soziologie, Projekt: The Factorial Survey as Method for Measuring Attitudes

Universität Leipzig - Institut für Soziologie, Projekt: Asking Sensitive Questions

GESIS Mannheim, Projekte: Identification of Falsification in Survey Data, Enhancing the Validity of Intercultural Comparative Surveys

Uni Bielefeld - Fakultät für Soziologie, Projekte: Multiple Imputation of Complex Data Sets, The Factorial Survey as Method for Measuring Attitudes

Universität Giessen - ZEU, Projekt: Identification of Falsification in Survey Data

Universität Mainz - Institut für Soziologie, Projekt: Asking Sensitive Questions

Universität Bremen - BIPS, Projekt: Use of Population Data Bases with Double Sampling for Choice-Based Sample Surveys and Time-to-Event Analysis

FU Berlin - Institut für Statistik und Ökonometrie, Projekt: Response Propensities in Access Panel Based Surveys

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